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06.05.2022 Wien

Fi­nan­zwis­sen gegen Al­ter­s­ar­mut?

Einkommen

Kommentar anlässlich des Equal Pension Day in Wien

Wien ist bekanntlich anders. Beim so genannten Equal Pension Day wirkt sich das positiv für Frauen aus. Der Equal Pension Day ist der Tag, an dem Männer im laufenden Jahr bereits so viel Pension bekommen haben wie Frauen insgesamt bis zum Jahresende erhalten werden.

Für ganz Österreich war der heurige Equal Pension Day am 1. August, für Wien ist er erst am 6. September. Das bedeutet, dass im österreichischen Durchschnitt Frauen um 41,6 % weniger Pension bekommen als Männer, in Wien sind es “nur” 31,8 % weniger, immerhin um fast ein Drittel.

Frauen weisen meist weniger Pensionsbeitragsjahre auf, weil sie aufgrund von Betreuungspflichten Arbeitsunterbrechungen auf sich nehmen, sie tappen dann oft in die Teilzeitfalle. Zudem rutschen Frauen häufig von der Arbeitslosigkeit in Pension. Auch das wirkt sich negativ aus. Aber eine ganz wichtige Ursache für die kleinen Frauenpensionen ist der Pay Gap zwischen Frauen und Männern. Der beträgt beim Bruttostundenlohn immer noch über 20 %. Er hat also nichts mit Teilzeit zu tun.

Der große Einkommensunterschied ist vor allem darauf zurückzuführen, dass in frauendominierten Branchen schlechter bezahlt wird als in den Männerdomänen. Außerdem bekommen Frauen in der Privatwirtschaft oft weniger Gehalt für die gleiche Arbeit wie Männer. Die Corona-Krise hat uns zwar gezeigt, dass gerade Branchen wie der Lebensmittelhandel oder das Pflege- und Spitalswesen für das Funktionieren unserer Gesellschaft unverzichtbar sind. Aber geändert hat sich seither nicht viel. Der Applaus für die Pflegerinnen und Supermarktverkäuferinnen erhöht ihre Pensionen kein bisschen. Es ist wie mit Ehrentiteln, sie machen sich hübsch auf dem Papier, vor allem aber kosten sie diejenigen nichts, die sie verleihen.

Nun glaubt das Finanzministerium das Allheilmittel gegen die Pensionslücke der Frauen gefunden zu haben. Nachzulesen in der Serie “Finanzwissen” von Finanzministerium und Kurier. Unter dem Titel “Finanzbildung sollte weiblicher werden“ wird den Frauen erklärt, dass sie ja selbst die Schuld an ihrer Altersarmut haben. Warum? Nun ganz einfach. Weil ihnen das Finanzwissen fehlt. Daher investieren sie nicht in ihre Altersversorgung, veranlagen nichts. Das Finanzministerium sieht darin den unausweichlichen Grund für Altersarmut.

Fragt sich nur, was den Frauen in einem gering bezahlten Care-Beruf, ihr Finanzwissen nützt, wenn sie nichts haben, das sie veranlagen könnten? Was soll eine alleinerziehende Billa-Verkäuferin in eine private Altersversorgung investieren, wenn sie sich nur mit Mühe gute Winterschuhe für ihre Kinder leisten kann? Wie stellen sich die gut verdienenden Damen aus der Finanzwelt, die im erwähnten Werbeartikel zu Wort kommen durften, das vor, wie die Damen und Herren des Finanzministeriums einschließlich des Finanzministers selbst?

Es braucht ganz andere Maßnahmen, um den Pensionsunterschieden und der Altersarmut von Frauen beizukommen, u.a.:

  • Gleiche Verteilung der unbezahlten Care-Arbeit – Kinderbetreuung, Haushalt, Altenpflege etc.,
  • Adäquate Bezahlung in den neuerdings so genannten systemrelevanten Berufen wie in der Kranken- und Altenpflege, der Kinderpädagogik, im Supermarkt, bei Reinigungskräften, etc.,
  • Arbeitszeitverkürzung, so dass sich beide Eltern um die Kinder kümmern können,
  • Gute pensionsstiftende Rahmenbedingungen für pflegende Angehörige,
  • Zielführende Maßnahmen gegen Lohn- und Einkommensdiskriminierung von Frauen in der Privatwirtschaft.

Wenn alle Frauen so viel verdienen, dass sie sich das Spiel mit Aktien, Anleihen und anderen Investitionen leisten können, dann stellt sich die Frage der Altersarmut von Frauen nicht mehr, egal, ob sie etwas veranlagen oder nicht.

 

 

Ein interessanter Kommentar dazu hier.

https://wide-netzwerk.at/wp-content/uploads/2021/06/Kommentar-zu-Finanzwissen_Traude-Novy.pdf

 

Der Werebartikel im Kurier hier.

https://kurier.at/cm/bmf/vorsorge-finanzbildung-sollte-weiblicher-werden/401387664

Eva Lachkovics
Eva Lachkovics

Beirätin

eva.lachkovics@gruene.at
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