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am 19. November

24-Stunden-Betreuung:

Doris Eisenriegler - Der Weisheit letzter Schluss?

Pflege

Es war in der Ära Wolfgang Schüssel der Versuch, die bis dahin illegale Beschäftigung von 24-Stunden-AltenbetreuerInnen in den eigenen vier Wänden zu legalisieren. Meist sind es Frauen, die aus den Nachbarländern Tschechien, Ungarn, Slowakei, Rumänien und zunehmend aus der Ukraine kommen. Sie sind offiziell Selbstständige, die sich selbst versichern und ihre Fahrten zur Arbeit selbst organisieren müssen. De facto stehen sie aber in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Arbeitgeber/zur Arbeitgeberin, was normalerweise eine Anstellung erfordern würde. Es gibt kaum Kontrollen der Arbeitssituation und der Qualität der Dienste. Die meist nur angelernten BetreuerInnen sind rund um die Uhr auf Abruf bereit und bekommen für eine 14-Tage-Schicht circa 900 Euro. Die zahlreichen Vermittlungsagenturen verdienen gut mit. Die Probleme, die in den Herkunftsländern durch diese Arbeitsmigration entstehen - Betreuung der zurückgelassenen Kinder, Fehlen von Pflegerinnen im eigenen Land….- seien hier ausgeblendet.

Auch einige schwere Unfälle der BetreuerInnen-Sammeltaxis haben in letzter Zeit gezeigt, wie prekär hier gearbeitet wird. Die Fahrer sind meist 24 Stunden für die An- und Abreise der Schichtdienste unterwegs, während derer sie im Durchschnitt 1000 Kilometer abspulen. Die BetreuerInnen wiederum sind auf diese kostengünstigen Möglichkeiten angewiesen um ihr ohnehin knappes Einkommen nicht noch mehr zu belasten.Eine Aufgabe des Sozialstaats
Die meisten Menschen möchten im Falle ihrer Pflege- oder Betreuungsbedürftigkeit zu Hause bleiben und viele, die es sich leisten können, greifen auf die Möglichkeit der 24-Stunden-Betreuung zurück. Wir sollten uns in Österreich mit dem Gedanken vertraut machen, dass es aufgrund der demografischen Entwicklung dringend einer Lösung bedarf, die unserem Sozialstaat gerecht wird. Das heißt Aufwertung und Attraktivierung – auch finanziell – der Pflegeberufe, Förderung gemeinschaftlichen und betreuten Wohnens im Alter, öffentlicher Diskurs über das Älterwerden, aufsuchende Sozialarbeit um die Ressourcen und Wünsche älterer Menschen rechtzeitig zu ermitteln und kleine Pflegeeinheiten in Wohnnähe. Und nicht zuletzt muss Geld in die Hand genommen werden, um das Risiko der Pflege solidarisch aus Steuermitteln zu finanzieren.