Frühlingswanderung
Zur Burgruine Windegg und Besichtigung des Biohofes Mascherbauer
Am 15. April 2026 trafen wir uns um 10 Uhr beim Biohof Mascherbauer, Winden 1, 4311 Schwertberg. Unter Begleitung unseres Guides Albin Kern, Mitglied des Arbeitskreises Burgruine Windegg, machten wir uns auf den Weg zur circa 2,5 km entfernten Burgruine Windegg, die Talsenke des Aisthofener – Baches durchwandernd.
Vorbei am Kulturhaus Lichtenwagner erreichten wir den mit Granitsteinen gepflasterten steilen Aufgang zum Burgtor der Ruine Windegg. Hier erzählte uns Albin in groben Zügen die Geschichte der Burg und deren aufwändige Restaurierung.
Die Burg Windegg wurde im 12. Jahrhundert im Auftrag der Regensburger Domherren als Herrschaftsmittelpunkt für das Gebiet zwischen den Flüssen Aist und Naarn – die ‚Regensburger Luß‘ – errichtet. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde zum Schutz der nördlichen Besitzungen die Burg Prandegg als weiterer Verwaltungsmittelpunkt erbaut. Das verfallene Areal der Burgruine übte einst auf Albin eine besondere Anziehungskraft aus. Besonders die Entdeckung eines angeblichen unterirdischen Geheimganges zwischen dem Schloss Schwertberg und der Burg Windegg stellte eine Herausforderung für ihn und seine abenteuersuchenden Spielgefährten dar.
Am 6. Juli 1980 konstituierte sich der Arbeitskreis Burgruine Windegg, auf Initiative seines ersten Obmannes Franz Reindl († 2021), zum Zwecke der Restaurierung der Burgruine. In regelmäßig erscheinenden Mitteilungsblättern wird über die Aktivitäten des Arbeitskreises berichtet. Etliche Ausgaben davon sind auf der Website forum oö geschichte in der historischen Bibliografie unter Eingabe des Suchbegriffes Windegger Geschehen aufrufbar und können heruntergeladen werden.
Nach Besichtigung der Anlagen, der Galerieräume im Turm (ab 3. Mai bis 26. Oktober stellen hier heimische Künstler:innen wieder ihre Werke aus) und dem Aufstieg zur Aussichtsplattform auf dem Bergfried kehrten wir zum Biohof Mascherbauer zurück, zwecks Genusses eines ausgezeichneten Mittagessens, hergestellt aus frischen, nach biolandwirtschaftlichen Richtlinien erzeugten Produkten.
Albin verabschiedete sich und bedankte herzlich sich für das rege Interesse.
Unterdessen bereiteten Hermann Holzweber und sein Sohn Samuel die Präsentation eines circa 15 Minuten dauernden Videos vor, in dem wir einiges über die Geschichte des Mascherbauerhofes, der Hofübergabe und den Aktivitäten der jetzigen Besitzer erfuhren. Die Holzwebers (Gertrude ist ausgebildete Kindergartenpädagogin, Hermann studierte Sozialpädagogik und Theologie in Wien) sahen ihre Lebensbestimmung schon früh darin, einen Bauernhof nach biolandwirtschaftlichen Richtlinien zu bewirtschaften. Vorerst blieb aber die Suche nach einem geeigneten Hof erfolglos. Der Vorbesitzer des Mascherbauerhofes, Johann Schinnerl (er bewirtschaftete den Hof ganz allein), erfuhr von deren Wunsch, und da keine andere Möglichkeit der Hofübergabe bestand, wurde er schließlich vor mehr als 20 Jahren an die Holzwebers übergeben. Diese ‚glückliche Fügung‘ wird am 30. Mai 2026 ausgiebig mit einem Fest gefeiert.
Auf dem anschließenden ca. 1-stündigen Rundgang belehrte uns Hermann Holzweber anschaulich über die Kriterien einer biologischen Kreislaufwirtschaft: „Im September wird das Korn in die Erde gebracht, im nächsten Jahr ernten wir zwei Produkte: das Korn für uns und unsere Tiere zum einen und zum anderen das ‚Bett‘ für unsere Tiere – das Stroh. Die Tiere ‚kacken‘ in das Stroh, das Ganze wird das Jahr über hier auf einen (Mist)haufen gelagert, und im August wird das, und zwar NUR DAS, als natürlicher Dünger auf unsere Wiesen und Felder aufgebracht. Wir verwenden keinen künstlichen Dünger und keine sonstigen Wachstumsbeschleuniger!“
Vorbei ging es am Rohbau eines Wohnhauses für den Eigenbedarf, mit zusätzlichen Betriebsräumen im Erdgeschoß; der angrenzende Hof Trakt wird abgerissen, somit entsteht eine größerer Innenhof, der mehr Gästen Platz bieten kann, als das derzeit der Fall ist.
Wir erreichten die Bienenstöcke, welche von Sohn Samuel betreut werden. Mit der angrenzenden natürlichen Heckenbepflanzung wird ein Mikroklima geschaffen, das für die hier frei laufenden Hühner, Enten und Puten ideal geeignet ist. Hier können sie ihrem natürlichen Bedürfnis der Futtersuche nachgehen und finden Schutz vor Witterungseinflüssen wie Wind, Regen, Hitze.
Die in der Nähe befindliche Mascherbauer-Kapelle wurde 1833 errichtet, zum Dank dafür, dass bei der sich über 30 – 40 Jahre hinziehenden Errichtung der Hofgebäude kein tödliches Unglück zu beklagen war.
Auf dem Weg zur nördlichen Streuobstwiese kamen wir an einem Pechölstein vorbei, den sich die Holzwebers vor einigen Jahren anfertigen ließen. Anlässlich der 20-Jahrfeier am 30. Mai 2026 wird hier ganztägig das zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe erklärte ‚Pechölbrennen‚ vorgeführt, wie es noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts im östlichen Mühlviertel praktiziert wurde. Mit Hermanns lauten, prägnanten Rufen wurden die auf der Streuobstwiese grasenden Kühe mit ihren Kälbern herbeigerufen. Einige abgestorbene Obstbäume werden bewusst nicht gefällt und entsorgt, da sie ein Hort für unzählige Insekten sind, welche die Nahrungsgrundlage für Mäuse und Amphibien sind. Diese sind wiederum die Hauptnahrung für Steinkäuze, welche hier angesiedelt werden sollen, wie uns Hermann am anhand eines in einem Obstbaum befestigten Steinkauz-Nistkastens erklärt.
Auf dem Rückweg zur Gaststube kamen wir an einem äußerst kommunikativen Kamerunschaf und ihren Lämmern vorbei. Den Holzwebers ist eine persönliche Beziehung zu ihren Nutztieren besonders wichtig. Deshalb wird den Gästen, Kindern wie Erwachsenen, auch der Kontakt mit ihnen, soweit es geht, ermöglicht.
Mit dem Genuss von hausgemachten Mehlspeisen zum Kaffee beschlossen wir den äußerst informativen und unterhaltsamen Nachmittag, bevor wir noch einige Einkäufe im Hofladen tätigten und uns voneinander verabschiedeten.