Führung durch die Landesbibliothek Linz
Zwischen historischem Bestand und moderner Nutzung
Die Oberösterreichische Landesbibliothek in Linz blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1774 reicht. Besonders bemerkenswert ist, dass das heutige Bibliotheksgebäude am Schillerplatz in der Zwischenkriegszeit errichtet und 1934 eröffnet wurde. Nur wenige Gebäude wurden in dieser Zeit vollständig neu errichtet. Bereits in seiner architektonischen Konzeption zeigt sich, dass das Gebäude von Beginn an als Bibliothek geplant wurde. Besonders deutlich wird dies an den Regalsystemen aus Eisen, die nicht ausschließlich der Aufbewahrung der Bücher dienen, sondern zugleich tragende Funktionen übernehmen. Die verwendeten Glasböden ermöglichen zudem eine bessere und kostengünstigere Lichtverteilung innerhalb der Bibliotheksräume.
Die Bibliothek verbindet heute historische Bestände mit modernen Angeboten für ihre Nutzerinnen und Nutzer. Neben einer öffentlich zugänglichen Leselounge steht ein mehrgeschossiger Freihandbereich zur Verfügung, in dem Bücher selbstständig entnommen und ausgeliehen werden können. Die Magazine im Untergeschoss dienen der Aufbewahrung jener Bestände, die nicht unmittelbar im Freihandbereich zugänglich sind. Eine Erweiterung des Gebäudes erfolgte im Jahr 2009 und schuf zusätzliche Flächen für Veranstaltungen, wie etwa die Landeskonzerte.
Eine besondere Bedeutung kommt den historischen Sammlungen der Landesbibliothek zu. Schenkungen und Nachlässe werden nach strengen fachlichen Kriterien übernommen, wodurch die Qualität und der kulturhistorische Wert der Bestände gesichert werden sollen. Darüber hinaus ist auch der verfügbare Platz ein Kriterium, wenn es um die Erweiterung des Bestandes geht.
Einen wichtigen Teil der Sammlung bilden Bücher, die im Zuge der Aufhebung zahlreicher Klöster vor allem zwischen 1782 und 1792 im Zuge der josephinischen Klosteraufhebungen in Oberösterreich in die Bibliothek gelangten. In dieser Zeit wurden mehr als 20 Klöster aufgelöst, wodurch zahlreiche Bücher und Handschriften aus kirchlichen Bibliotheken in öffentliche Sammlungen übergingen.
Zu den besonders bemerkenswerten Bereichen zählt der historische Lesesaal. Die Ausstattung mit Nussholzregalen vermittelt noch heute einen Eindruck davon, welchen Stellenwert Bücher und Literatur in früheren Zeiten hatten. Dort befinden sich auch besonders wertvolle historische Werke, darunter Bücher mit Einbänden aus Schweinsleder. Von besonderem kulturhistorischem Interesse sind außerdem zwei Globen des niederländischen Kartografen und Verlegers Jodocus Hondius, die aus dem Jahr 1613 stammen.
Ein weiterer Schwerpunkt der historischen Sammlung liegt in der Schatzkammer im Keller. Dort werden unter anderem Inkunabeln, also Druckwerke aus der Frühzeit des europäischen Buchdrucks, aufbewahrt. Zu den ältesten Beständen zählen auch Werke auf Pergament. Ihre Herstellung war mit einem erheblichen materiellen und zeitlichen Aufwand verbunden. Neben dem verwendeten Material sind vor allem die kunstvollen Buchmalereien von Bedeutung. Sie machen deutlich, dass historische Bücher nicht ausschließlich Informationsträger waren, sondern oftmals auch aufwendig gestaltete Einzelwerke, in deren Herstellung beträchtliche Teile eines menschlichen Lebenswerks einfließen konnten.
Auch außerhalb der Sammlung selbst wird die historische Dimension der Bibliothek sichtbar. Im Stiegenhaus befindet sich ein großes Fenster mit dem Wessobrunner Gebet, einem bedeutenden althochdeutschen Text aus dem Jahr 814. Der Text ist sowohl in seiner historischen Sprachform als auch in einer Übersetzung dargestellt.
Gleichzeitig versteht sich die Landesbibliothek als moderner Bildungs- und Veranstaltungsort. Insbesondere Studierenden stehen zahlreiche Arbeitsplätze und unterschiedliche Lernbereiche zur Verfügung. Der Bibliotheksgarten erweitert das Raumangebot um einen frei zugänglichen Aufenthaltsbereich. Im 2009 errichteten Zubau befinden sich unter anderem Räumlichkeiten, die für Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt werden können.
Die Landesbibliothek Linz erfüllt damit mehrere Funktionen: Sie ist wissenschaftliche Bibliothek, Lern- und Arbeitsort sowie Bewahrerin bedeutender kulturhistorischer Zeugnisse. Gerade die Verbindung von moderner Bibliotheksnutzung mit historischen Beständen und einer eigens dafür konzipierten Architektur macht sie zu einem wichtigen kulturellen und wissenschaftlichen Ort in Oberösterreich.
Die Führung fand am 25. September 2026 statt. Informationen zu Führungen und dem Besuch der Schatzkammer findet sich auf der Homepage der Landesbibliothek.