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    Barrierefreiheit
23.03.2026 Oberösterreich

Nachbericht zur Exkursion „Wohnen mit Service“ in Kleinzell

Besuch am 6. März 2026 von Gplus OÖ in Kleinzell Foto: Traxler

Die Grünen – Generation plus OÖ besuchten im Rahmen einer Exkursion das Wohnprojekt „Wohnen mit Service“ in Kleinzell. Der Vereinsobmann Anton Hochenburger empfing unsere Gruppe und gab uns spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichte sowie in das aktuelle Leben im Projekt. Schon beim Empfang wurden wir ganz im Sinne der Mühlviertler Gastfreundschaft begrüßt: Drei Vereinsmitglieder versorgten uns mit Kaffee und Kuchen und nahmen sich Zeit für Gespräche. Anschließend erhielten wir eine ausführliche Führung durch das Haus. Besonders interessant war, dass wir sogar die Wohnung einer Bewohnerin besichtigen durften und so einen sehr persönlichen Eindruck vom Alltag im Projekt bekamen.

 

Zum Projekt

Das Wohnprojekt liegt mitten im Ortszentrum von Kleinzell, direkt neben der Raiffeisenbank, dem Gasthof, der Bibliothek und einem kleinen Nahversorger. Diese zentrale Lage ermöglicht kurze Wege und erleichtert den Bewohnerinnen und Bewohnern ein selbstständiges Leben im Ort.

 

Groß ist das Interesse an diesem innovativen Projekt: Bereits 25 Gruppen haben es seit der Eröffnung besucht. Ursprünglich befand sich an diesem Standort ein altes Gasthaus mit kleiner Landwirtschaft mitten im Ort. Die Gemeinde Kleinzell erwarb das Gebäude und startete gemeinsam mit der SPES Akademie einen Innovationsprozess, um eine neue Nutzung zu entwickeln.

 

Der Architekt Richard Steger entwickelte daraus ein völlig neu gedachtes Wohnkonzept. Pro Ebene stehen rund 400 m² Fläche zur Verfügung. Bei der Umsetzung wurden ausschließlich regionale Firmen beauftragt. in den oberen Stockwerken befinden sich 10 barrierefreie Wohnungen. Für die Finanzierung wurde eigens eine Tochtergesellschaft der SPES gegründet. Insgesamt beteiligen sich heute 30 Investorinnen und Investoren, darunter 15 Privatpersonen und mehrere größere Unternehmen. Das Projekt wurde bewusst ohne öffentliche Förderungen umgesetzt, um unabhängig zu bleiben.

 

Der Verein als zentrale Rolle in der Umsetzung und Betreuung

Der betreuende Verein spielt eine zentrale Rolle. Er organisiert das gemeinschaftliche Leben und kümmert sich um viele organisatorische Fragen. Der Verein hat derzeit rund 50 Mitglieder, davon etwa 20 aktive. „Ein Projekt ohne Begleitung wäre sehr schwierig – ohne Verein bräuchte es vermutlich einen Sozialarbeiter“, erklärte Obmann Anton Hochenburger.

 

Der Verein entscheidet auch über neue Bewohnerinnen und Bewohner. Dabei steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt. Interessierte müssen sich unter anderem mit den Fragen auseinandersetzen: Warum möchte ich hier wohnen – und was bringe ich in die Gemeinschaft ein?

 

Für jede Person, die hier lebt, muss außerdem eine Bezugsperson außerhalb des Hauses vorhanden sein. Auch eine Vorsorgevollmacht ist verpflichtend. Im Alltag gilt ein klares Prinzip: Zuerst trägt die Gemeinschaft, danach die Familie – und erst wenn es nicht mehr anders geht, übernimmt der Verein eine unterstützende Rolle.

Aktuell sind die Bewohnerinnen und Bewohner noch sehr rüstig. Viele besitzen noch ein eigenes Auto. Im Untergeschoss sind zusätzlich eine Physiotherapie und eine Hebamme eingemietet. In den oberen Stockwerken befinden sich die Wohnungen.

 

Entwicklung des Projekts

In der Diskussion wurde auch offen über zukünftige Herausforderungen gesprochen: Was passiert, wenn Bewohnerinnen und Bewohner einmal mehr Betreuung brauchen? Derzeit gilt ein Betreuungsschlüssel von einer Betreuungsperson für fünf Bewohnerinnen bzw. Bewohner. Ebenso stellt sich langfristig die Frage, wie offen eine bereits stark zusammengewachsene Gemeinschaft für neue Mitglieder bleibt.

 

Die Exkursion bot der Grünen – Generation plus OÖ viele spannende Einblicke in eine innovative Form des gemeinschaftlichen Wohnens im Alter und zeigte eindrucksvoll, welche Möglichkeiten entstehen können, wenn Gemeinde, engagierte Bürgerinnen und Bürger und regionale Partner zusammenarbeiten.