Vogelvielfalt im Donautal bei Ottensheim–Wilhering
Nachlese zur Vögelwanderung in Wilhering
Am Samstag, dem 18. April 2026, fand eine Vögelwanderung in Wilhering in den Donauauen beim Donaukraftwerk Ottensheim-Wilhering statt. Dieses Gebiet ist ökologisch besonders interessant, da hier der Innbach, der früher in ein enges Becken gezwängt war, renaturiert wurde. Im Zuge dessen entstand auch die größte Fischaufstiegshilfe Österreichs. Bereits Anfang 2015 begann die VERBUND mit dem Bau dieser bislang längsten Fischwanderhilfe des Landes. Es wurde ein 14,2 Kilometer langer Umgehungsarm über das Innbach-Aschach-Gerinne geschaffen, der durch eine jahreszeitlich angepasste Wasserzufuhr aus der Donau sowie durch die natürliche Abflussdynamik der Zubringer gespeist wird.
Die Wanderung wurde von Jakob Vratny geleitet, der in der Ornithologen Szene sehr bekannt ist. Während der Exkursion konnten zahlreiche Vogelarten beobachtet und gehört werden. So hörten wir unter anderem die Mönchsgrasmücke, deren Gesang ein wenig an die Amsel erinnert. Sie ist ein kleiner, eher unscheinbarer, grauer Vogel.
Entlang des Innbachs, wo heute viele Schotterbänke zu finden sind, die früher ein enger Kanal waren, entdeckten wir einen männlichen Gänsesäger. Dieser fischfressende Entenvogel brütet in der Region, während im Winter besonders viele Exemplare in Wilhering anzutreffen sind. Aufgrund seiner Ernährungsweise sorgt er immer wieder für Diskussionen, da er aus menschlicher Sicht in Konkurrenz zur Fischerei steht. In der Vergangenheit war der Gänsesäger regional stark zurückgedrängt bzw. selten.
Auf den Sand- und Schotterbänken beobachteten wir außerdem zahlreiche Flussuferläufer. Diese anspruchsvolle und gefährdete Watvogelart brütet naturnah am Boden . Er ist in Österreich kein häufiger Brutvogel, eher Durchzügler. Wilhering zählt zu den wenigen verbliebenen Brutgebieten.
Auch der Zilpzalp, ein Laubsänger und Zugvogel, war zu hören. Zudem konnten wir Stockenten auf den Sandbänken beobachten.
Im Laufe der Wanderung wurde deutlich, wie dynamisch sich Vogelpopulationen entwickeln. Vögel entdecken immer wieder neue Brutgebiete, sind jedoch auf geeignete Rastplätze entlang ihrer Zugrouten angewiesen. Fehlen diese, können selbst gute Brutgebiete unerreichbar werden.
Ein weiteres Thema waren die Auswirkungen von Windrädern. Besonders für große Segelvögel, die Thermik nutzen, stellen sie eine Gefahr dar, vor allem in Brutgebieten. Arten wie Kaiseradler und Seeadler sind besonders betroffen, da sie erst im Alter von fünf bis sechs Jahren geschlechtsreif werden. Verluste wirken sich daher stark auf die Populationen aus. Auch entlang wichtiger Zugvogelkorridore sollten Windkraftanlagen möglichst vermieden werden.
Die Graugans wurde in Oberösterreich erst durch Konrad Lorenz wieder verbreitet.
Im Gegensatz dazu zählen Nilgänse zu den sogenannten Neozooen – also eingeschleppten Arten. Sie stehen in der EU auf der sogenannten Blacklist ( also Liste invasiver gebietsfremder Arten der EU) , da sie sehr dominant auftreten und heimische Vogelarten aus ihren Brutgebieten verdrängen.
In den Abbruchkanten des Innbachs finden sich Lebensräume für Eisvögel und Bienenfresser. Entlang der Donau sind außerdem Rauchschwalben und Mehlschwalben verbreitet, und bei passenden Wasserständen auch Uferschwalben.
Ein Beispiel für eine natürliche Einwanderung ist die Mittelmeermöwe, die sich seit den 1990er-Jahren auch beim Kraftwerk angesiedelt hat. Sie nutzt die sicheren Strukturen zum Brüten und weicht zunehmend den zu heißen Bedingungen im Süden aus. Sie kann sich gut anpassen und nutzt die nördlicheren Gebiete gerne als Sommerfrische.
Auch Kormorane kommen in der Region vor. Diese wurden bis 1949 in Oberösterreich gezielt verfolgt und abgeschossen und kehrten lange Zeit nicht als Brutvögel zurück.
Schwäne, insbesondere Höckerschwäne, waren in den letzten Jahren stark von der Vogelgrippe betroffen, die für viele Tiere tödlich verlief.
Besonders spannend ist auch das Verhalten mancher Vogelarten wie des Sumpfrohrsängers, den wir auch sahen, der über ein Repertoire von mehr als 160 Gesängen verfügt und sogar Vogelstimmen aus Afrika imitiert.
Zum Abschluss wurden noch hilfreiche Apps wie „Merlin“ und die BirdLife-App erwähnt, die bei der Vogelbestimmung unterstützen.