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25.09.2026 Oberösterreich

Widerstand-Tod-Überleben

Fotos: Josef Braid, Streinbrecher Gusen

Geführter Besuch der Ausstellung im 'Haus der Erinnerung' in St. Georgen an der Gusen

Nach dem Mittagessen im Restaurant SAM machten wir uns auf den Weg zum ‚Haus der Erinnerung‘. Um 14:00 Uhr wurden wir von Frau Andrea Wahl (Geschäftsführerin der Bewusstseinsregion Mauthausen-Gusen-St. Georgen), und der Begleiterin durch die Ausstellung, Frau Renoldner-Burianek (Religionslehrerin an der VS St. Georgen), herzlich begrüßt.

 

Der von uns für den 9. September 2026 gebuchte, ca. 1-stündige Rundgang ließ sich grob in 3 Themenbereiche einteilen:

 

  1. DEST und Kommando Spilberg:

Einleitend wurde uns die Geschichte der 1938 von der SS gegründeten ‚Deutschen Eisen- und Steinwerke (DEST), deren bedeutende Werkgruppe in St. Georgen an der Gusen angelegt wurde, vermittelt. Der in Gusen abbaubare Granit ist wegen seiner Feinkörnigkeit für Monumentalbauten besonders geeignet (Beispiel: Kettenbrücke in Budapest). Unter dem Motto: ‚Vernichtung durch Arbeit‘ wurden Häftlinge des KZ-Lager Gusen zu dessen Abbau gezwungen.

 

Die an der Donau gelegene Burgruine Spilberg sollte auf anraten des Landrates Gustav Brachmann zu einer Wanderherberge für die Hitlerjugend ausgebaut werden. Zur Freilegung (ab 1940) wurde das ‚Kommando Spielberg‘ gebildet, bestehend aus 30 polnischen Häftlingen, geleitet von Kapo  Dr. Władysław Gębik. Kazimierz Gelinek erfasste den Grundriss der Burgruine kartographisch, sein Assistent,  Dr. Jozef Eugeniusz Iwinski fertigte mehrere Zeichnungen (Bleistift auf Papier von Zementsäcken) an.

 

Spilberg wurde als die ‚Oase in der Hölle‘ beschrieben, weil hier die Häftlinge auf Anordnung des Kommandanten des KZ Mauthausens, Franz Ziereis, besonders schonend behandelt werden sollten.

 

Nach Besichtigung der ‚Ruine Spilberg-Vitrine‘ und der zugehörigen Schautafeln begaben wir uns in den Raum mit dem Themenschwerpunkt

 

 

  1. Spätbronzezeitliches Gräberfeld Gusen:

1941 wurden durch den Bau der Schleppbahn zwischen Bahnhof St. Georgen an der Gusen und Steinbruch Gusen bereits geschätzt 80-100 Gräber aus der früheren und späteren Urnenfelderzeit (1300 – 1100 v. Chr.) zerstört.

 

Erst 1942 erhielt Oswald Menghin als Ordinarius für Urgeschichte an der Universität Wien zufällig Kenntnis von den Gräberfunden. Über Vermittlung der SS in Berlin wurde mit dem Leiter des Lager Gusen, Carl Chmielewski, Kontakt aufgenommen.

Der damalige Leiter der Abteilung für Ur- und Frühgeschichte des Institutes für Denkmalpflege, Kurt Willvonseder, besuchte 1942 das Lager Gusen, die bisherigen Funde wurden als ‚SS Sammlung Gusen‘ zusammengefasst und die Fundstelle mit Stacheldraht abgesperrt. Nachdem Wilvonseder in den Militärdienst einrückte, wurde seine Assistentin, Hertha Orel, mit der wissenschaftlichen Leitung der Ausgrabungen beauftragt.

 

Ein Häftlingstrupp unter der Leitung des polnischen Kapos Kazimierz Gelinek wurde zusammengestellt. Wichtige Funde wurden nach Wien gebracht, und restauriert nach Gusen zurück überstellt, wo sie zusammen mit den von Häftlingen präparierten Funden im Lager in der sogenannten Museumsbaracke ausgestellt wurden.

Aufgrund der zunehmenden Bombardierungen des Reichsgebietes wurden die als „SS Sammlung Gusen“ bezeichneten Funde auf  Befehl der Reichsleitung SS einer Luftschutzbergung unterzogen und sorgfältig in Kisten verpackt in einer Naturhöhle in Pottenstein/ Oberfranken in Sicherheit gebracht.

 

Das NS-Regime bediente sich der Archäologie, um ihre rassistische Ideologie zu begründen.

Vom ‚Reichsbund für Deutsche Vorgeschichte‘ sowie auch von der Hitlerjugend wurden Modelle, Repliken und Bildserien urgeschichtlicher Gräber, Häuser und Menschen angefertigt, die in Museen und Schulen didaktisch eingesetzt wurden, um der breiten Bevölkerung die (scheinbare) Kulturhöhe der „germanischen, arischen Vorfahren“ vor Augen zu führen und dadurch die Rassenideologie zu festigen.

 

Der abschließende Teil des Rundganges widmete sich der Biografie eines der herausragendsten Persönlichkeiten des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus:

 

  1. Dr. Johann Gruber (von den Mithäftlingen ‚Papa Gruber‘ genannt).

Als Unterrichtender an der bischöflichen Lehrerbildungsanstalt sowie als Lehrer an mehreren Schulen forderte und praktizierte er den gemeinsamen Schulunterricht beider Geschlechter in gemeinsamen Klassen. Dies wurde ihm medienwirksam als unsittliches Verhalten seinen Schülerinnen und Schülern gegenüber ausgelegt (die damalige katholische ‚Obrigkeit‘ war in dieser Hinsicht äußerst streng), der Polizeihaft am 10. Mai 1938 folgte die Verurteilung zu zwei Jahren Haft in der Justizanstalt Garsten. Im August 1940 wurde er zusammen mit anderen Priestern in das KZ Lager Gusen I überstellt. Vorerst als Pfleger im Häftlingsrevier beschäftigt, war er ab 1942 als ‚Museums-Kapo‘ für die Verwahrung und Bestimmung archäologischer Funde zuständig.

 

Er benutzte seine Kontakte mit der Außenwelt, um mit eingeschleustem Geld (sowie Zigaretten – als Tauschmittel heiß begehrt) im Konzentrationslager Gusen eine geheime Hilfsorganisation für Häftlinge aufzubauen und im Gegenzug Informationen aus dem Lager nach außen dringen zu lassen.

Sein Netzwerk im KZ Gusen I wurde durch die Unachtsamkeit eines Verbindungsmannes aufgedeckt. Am 4. April 1944 wurde er in das Lagergefängnis gesperrt, 3 Tage lang gequält und schließlich am Karfreitag den 7. April 1944 von Schutzhaftlagerführer Seidler mit den Worten ‚Du sollst verrecken wie dein Meister, zur dritten Stunde‘ schwer malträtiert und ermordet. Johann Grubers entschlossener Widerstand  in der ‚Hölle von Gusen‘ ist beispiellos.

Er wird auch ‚Der Heilige von Gusen‘ genannt, 2013 wurde das Pfarrheim St. Georgen a. d. Gusen nach ihm benannt. Die vollständige Rehabilitierung erlangte Johann Gruber mehr als 70 Jahre nach seinem Tod: Mit Urteil vom 7. Jänner 2016 hob das Landesgericht für Strafsachen in Wien das NS-Gerichtsurteil von 1939 auch hinsichtlich eines angeblichen Sittlichkeitsdeliktes auf.

 

 

Die am 6. November 2025 eröffnete Ausstellung dauert noch bis zum 31.Dezember 2026.

Der Besuch ist nach telefonischer Voranmeldung von Mo-Fr, 8:00-12:00 Uhr möglich. Jeden Freitag wird von 17:00 – 18:00 Uhr ein kostenloser Rundgang angeboten, den Frau Renoldner-Burianek (sie hat die dafür vorgesehene Ausbildung absolviert) begleitet.

Die Gebühr für einen begleiteten Rundgang an anderen Wochentagen (nach Voranmeldung)  beträgt €5,-/Person.

 

Der im Haus der Erinnerung während der Öffnungszeiten zum Preis von €15,- erhältliche Ausstellungskatalog bietet umfangreiche und detaillierte Informationen zu den hier genannten Themen und Personen.

Der Katalog ist auch im Internet als pdf-Datei abrufbar: Ausstellungskatalog Widerstand-Tod Überleben

 

 

Hubert Maier
Hubert Maier

Sprecher Gplus – Bezirk Perg, Freie Funktion Gplus OÖ

[email protected]
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