Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Altenpolitik
Wir sind Techniker, Ärztinnen, Supermarkt-Kassierinnen, Lehrer, Angestellte und Selbstständige – in Pension. Wir haben uns ein Leben aufgebaut, Erfahrungen und Qualifikationen gesammelt, Kinder aufgezogen. Den Statusverlust der Pensionierung haben wir hingenommen, anfangs den sogenannten Ruhestand in vollen Zügen genossen. Reisen unternommen, den Hobbys nachgegangen, die Enkelkinder betreut. Doch nun brauchen wir zunehmend Unterstützung. Das Leben im viel zu großen Einfamilienhaus oder in der Single-Stadtwohnung ist mühsam geworden. Wenn die Familie die notwendige Hilfe nicht geben kann, ist die öffentliche Hand gefordert.
Doch was erwartet uns da?
Eine Zeitlang mobile Betreuung und Pflege. Wenn man aber nicht mehr allein leben kann und es sich leisten kann – 24-Stunden-Betreuung. Ansonsten bleibt ab Pflegestufe 3 oder 4 nur ein Platz in einem Alten- und Pflegeheim. Auch von der neuen Betreuungs- und Pflegearchitektur des Landes ist da nicht viel Neues zu erwarten.
Was ist also zu tun?
Wir müssen uns selbst einbringen, uns rechtzeitig mit unserem letzten Lebensabschnitt, der immerhin durchschnittlich zwanzig Jahre dauert, auseinandersetzen. Wie ist unsere Wohnsituation, welche Infrastruktur, welche familiäre oder nachbarschaftliche Unterstützung steht notfalls zur Verfügung? Nur so wird es gewährleistet sein, auch bei Betreuungs- oder Pflegebedarf selbstbestimmt zu leben. Wollen wir die gewünschte Unterstützung von der öffentlichen Hand vorfinden, müssen wir uns einbringen. Leistbare gemeinsame Wohnformen auf Mietbasis, bedürfnisgerechte mobile Dienste, die auch bei Bedarf in der Nacht zur Verfügung stehen, kleine Pflegeeinheiten in Wohnortnähe statt großer Heime.